Schnäppchen-Sale im Augsburger Rathaus: Oder die Frage, wer bekommt welchen Ausschuss-Sitz und Platz in den Beteiligungsge- sellschaften. 

Black Friday-Feeling am Stadtrats-Mittwoch.

Die zweite konstituierende Sitzung des Augsburger Stadtrats fühlte sich  an wie die Eröffnung eines Supermarkts am Black Friday. Die Türen öffnen sich, die Einkaufswagen glühen, und im Vorfeld wurde eigentlich genau ausgemacht, wer welches „Schnäppchen“ mit nach Hause nehmen darf. Doch wie das bei Wühltischen so ist: Einer schafft es immer, sich mit Ellbogeneinsatz noch die Ware zu sichern, die für ihn eigentlich gar nicht vorgesehen war.

Die Wagenburg und die ausgebooteten „Stammkunden“ des letzten Black Fridays

Das Prinzip war klar: Die neue Mehrheits-Allianz um OB Florian Freund hatte den Laden zumindest bei der Verteilung fest im Griff, von der ein oder anderen Unsicherheit im korrekten Procedere mal abgesehen. Die Claims waren abgesteckt, die „Wagenburg“ der Freunde stand, man schob sich die schöne Ware der Ausschuss-Sitze zu.

Für DieLinke und die AfD gab es nur die Rolle des Zuschauers durchs Ladenfenster, die Fraktion Bündnis 90 /Die Grünen durften bei Warenüberschuss immerhin zugreifen, wurden aber nicht müde zu betonen, dass sie schließlich doch als wirkliche Fraktion ins Rennen gehen.

Besonders auffällig an der Kasse waren die „jungen Wilden“, die glücklich mit gefüllten Körben davonziehen konnten. Ana Babic (Generation Aux) etwa sicherte sich gar einen Ausschuss-Vorsitz. Man fragt sich allerdings, ob der Einkaufswagen nicht eine Nummer zu groß ist. Und Iris Steiner profitiert als Ex-Schwarze und nun als FDP/Pro Augsburg-Stadträtin schon mal von der neuen durch gewunkenen Fraktionsgemeinschaft mit Die Partei und Generation Aux und wurde zu Stellvertreterin im  Kulturausschuss bestimmt. In der Feinkost-Abteilung  hatte dann die CSU ihre Stunde und sicherte sich bei der Besetzung mehrere mögliche Posten bei den städtischen Beteiligungen wie etwa bei Stadtsparkasse, Stadtwerken oder diversen Zweckverbänden, die durchaus lukrativ sind . Gemeinhin bekannt als Filetstücke.

Das Wegner-Manöver: Wenn der Zoo-Gegner den Zoo kauft

Doch die größte Überraschung des Tages war kein geplanter Sale, sondern eine klassische Überrumpelungsaktion. Eigentlich sollte Roland Wegner (V-Partei³) durch die Verkleinerung der Ausschüsse komplett leer ausgehen, zumindest mit seiner Ausschuss-Gemeinschaft zusammen mit Bruno Marcon (Augsburg in Bürgerhand) hatte man sich einige wenige (Rest-)Posten ergattern können. Die Großen hatten nämlich beschlossen, die Regale so umzuräumen, dass für Einzelkämpfer wie ihn kein Produkt für den Einkaufswagen bleiben sollte. Wegner schaltete sogar die Rechtsaufsicht ein – er fühlte sich „ausgebootet“ – Antwort noch nicht vorhanden.

Doch während alle auf die Ausschüsse starrten, schnappte sich Wegner das wohl absurdeste Sonderangebot des Tages: einen Sitz in der Zoo GmbH.

Man muss sich die Ironie auf der Zunge zergehen lassen: Der Mann, der den Zoo am liebsten heute noch dichtmachen würde, sitzt nun im Kontrollgremium. Es ist, als würde ein überzeugter Veganer zum Chefkontrolleur der Fleischtheke ernannt. 

Am Ende blieb das Gefühl zurück, dass die großen Absprachen im Vorfeld zwar die Richtung vorgaben, aber die Dynamik im Saal ein Eigenleben entwickelte. Die „Wagenburg“ hielt zwar den meisten Angriffen stand, aber dass ein Roland Wegner sie am Ende beim Zoo-Posten so überrumpelt hat, zeigt: Selbst im bestgeplanten Supermarkt schafft es manchmal der, der eigentlich schon vor der Tür stand, sich das schrägste Schnäppchen zu sichern.

Augsburg hat jetzt eine Regierung, die Posten nur bedingt nach Quoten und vielmehr nach Loyalitäten verteilt hat – und eine Opposition, die zeigt, dass sie die Lücken im System genau kennt und auch nicht zurückschreckt gebetsmühlenartig darauf hinzuweisen. Der Zoo-Aufsichtsrat dürfte in dieser Periode jedenfalls spannender werden als jedes Gehege-Feeding.