Vor dem 31. Spieltag steht der FC Augsburg auf Platz 9 (36 Punkte) und damit, wie es Manuel Baum vor dem Frankfurt-Spiel in der Pressekonferenz treffend formulierte, gefühlt einen Meter vor der Ziellinie „Klassenerhalt“. Eigentlich ein Moment zum Durchatmen, zum Genießen. Doch im Fußball-Business ist das Ziel nur der Startschuss für die nächste Ungewissheit. Während die einen über Marktwerte und gewinnbringende Verkäufe philosophieren, treibt uns eine andere Frage um: Wer steht in der nächsten Saison an der Seitenlinie?
Die diplomatische Umschiffung
Fragt man Manuel Baum nach seiner Zukunft, erntet man diplomatische Zurückhaltung. Man habe sich geeinigt, erst nach dem letzten Spieltag zu sprechen. Das ist das professionelle Protokoll, doch wir wissen alle: Die Realität des Geschäfts ist knallhart. Hinter den Kulissen werden längst Szenarien entworfen und Kandidaten gescannt. Die Spekulationen der Kollegen kommen schließlich nicht von ungefähr.
Dabei stellt sich eine grundlegende Frage: Warum suchen wir eigentlich immer das nächste große Ding, wenn das Gute direkt vor uns steht?
Mehr als nur ein Experiment
Manuel Baum verkörpert die viel gepriesene FCA-DNA derzeit wie kaum ein Zweiter. Er hat das Schiff nicht nur vor dem Auflaufen bewahrt, er steuert es mit einer sichtbaren, fast kindlichen Freude am Spielfeldrand. Wer ihn dort beobachten darf, sieht keinen unterkühlten Taktik-Roboter, sondern jemanden, dem die Aufgabe sichtlich Spaß macht.
Warum also nicht den Weg konsequent mit ihm weitergehen? Selbst wenn man es als „Experiment“ abstempeln möchte – es ist ein weitaus risikoärmeres als so manch andere Personalie der Vergangenheit. Und sollte es tatsächlich schiefgehen, bliebe Manuel Baum dennoch die Option, in die von ihm selbst geschaffenen Strukturen und auf seinen früheren Posten im Verein zurückzukehren. Warum nicht? Das war/ist ja jetzt bereits die Option.
Weder graue Maus noch bunter Vogel
Oft hieß es, der FCA müsse sein Image der „grauen Maus“ ablegen. Viele träumen dann sofort vom „sexy Paradiesvogel“ – einem Trainer-Namen mit Glamour-Faktor, der uns auf das nächste Level katapultiert. Aber brauchen wir das wirklich?Scheiterte ja erst in der jüngsten Vergangenheit krachend.
Ich möchte an dieser Stelle ein anderes Bild bemühen: Das Bild der fleißigen Biene.
• Beständigkeit statt Show: Eine Biene sucht nicht das Rampenlicht, sie sorgt für das Überleben des Volkes.
• Ertrag statt Effekthascherei: Manuel Baum ist der Arbeiter im Bienenstaat, der Stein auf Stein setzt, Step by Step.
• Die Gemeinschaft im Fokus: Es geht nicht um die Selbstdarstellung eines Einzelnen, sondern darum, dass am Ende das gesamte „Volk“ – der Verein, die Fans, die Stadt – genährt wird.
Fazit: Das Boot ist stabil
Es ist ein gesellschaftliches Phänomen: Kaum sitzen wir sicher im Boot, schielen wir schon nach dem nächsten Speedboat, anstatt die Ruhe und die geleistete Arbeit zu schätzen. Der FCA muss kein Paradiesvogel sein, um attraktiv zu sein. Wenn wir eine funktionierende Einheit haben, die fleißig wie ein Bienenvolk Punkte sammelt und die Klasse hält, ist das mehr wert als jedes schillernde Image-Projekt.
Vielleicht sollten wir einfach mal den Moment genießen – und dem Mann vertrauen, der uns diesen Meter vor die Ziellinie gebracht hat. Und womöglich mit dem Vertrauen dann sogar irgendwann weiter. Step by step.
