Hand aufs Herz: Wer blickt bei den ganzen Bürgermeister-Posten in einer Großstadt eigentlich noch durch? Da gibt es die Nummer eins, die Nummer zwei, die Nummer drei… und wenn man denkt, jetzt ist die Liste zu Ende, kommt Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler) ins Spiel. Und das war auch verdammt gut so, denn Augsburg schlitterte jüngst in ein akutes Repräsentations-Vakuum. Die Chronik dazu las sich ungefähr so:
Der Chef, Florian Freund (SPD)? Im Urlaub.
Die Nummer zwei, Dirk Wurm (SPD)? Noch auf dem Weg ins Amt (quasi noch in der politischen Umkleidekabine).
Die Nummer drei, Bernd Zitzelsberger (CSU)? Zwar ehrenamtlich im Einsatz, aber diesmal ebenfalls, im Urlaub.
Man hätte also mutmaßen können, das Rathaus bliebe wegen akuter Überarbeitung oder wegen Reichtum an Urlaubstagen geschlossen. Doch weit gefehlt. Auftritt der vierten Bürgermeisterin von den Freien Wählern! Regina Stuber-Schneider fackelte nicht lange und übernahm direkt die Doppel-Schicht zu Beginn ihrer Amtszeit, wo man doch anfänglich davon ausging, dass sie insgesamt in sechs Jahren nur verschwindend geringe Termine haben würde. Und wer dachte, das wird ein ruhiges Kaffeetrinken, hat die Rechnung ohne das internationale Augsburg gemacht.
Erst stand Besuch aus Dayton auf der Matte. Die Herren und Damen waren so angetan, dass sie am liebsten direkt für nächstes Jahr einen Augsburger Gegenbesuch-Chor gebucht hätten – man netzwerkt schließlich, wo man kann. Und weil ein Termin im Rathaus selten allein kommt, schaute auch noch die Feuerwehr aus unserer Partnerstadt Bourges vorbei. Spätestens hier zahlte sich das Profil der ehemaligen Englischlehrerin aus: Statt verlegenem Händeschütteln gab es die Begrüßung für die amerikanischen Gäste perfekt und auch für die französischen Gäste direkt in der Landessprache. Da saß jedes „Bonjour“ und jedes „Merci“. Hat sie sich wie sich das für eine ehemalige Lehrerin gehört, mit Lernen und Üben der Rede einverleibt. Wer braucht schon eine vollzählige Chefetage, wenn eine einzige Frau den Laden multilingual schmeißt?
Und die Moral von der Geschicht? Totgesagte leben länger – denn die von einigen bemängelte zu geringe Frauenquote in der Augsburger Stadtregierung ist spätestens seit dieser Woche quasi zu 100 Prozent sichtbar gewesen (wenn auch rein logistisch bedingt). Es ist doch ein schönes Augenzwinkern des Schicksals: Da wird ab und an gemunkelt, in der Regierung gäbe es gar keine weibliche Stimme, und kaum wird es eng, hält eine Frau im Alleingang die internationale Flagge der Stadt hoch. Für die nächsten sechs Jahre nehmen wir jedenfalls mit: Die Urlaubsplanung der Herren darf gerne wieder so perfekt abgestimmt werden – Augsburg hat eine Nummer vier, und wenn die dann auch verhindert ist, sicher auch eine Nummer fünf!




