Wenn in Augsburg die Lichter ausgehen und wo das Geld jetzt womöglich hinwandert.
Wer in den letzten Jahren im Herbst durch die Innenstadt geschlendert ist, kennt das Spektakel: Bunte Projektionen, erleuchtete Fassaden, tausende von Postings von den Light Nights auf Facebook, Insta und Co. rauf und runter. Doch 2026 bleibt der Lichtschalter unten. Wumms! Aus die Maus, Licht aus, Romantik vorbei.
Man hatte das Event zwar gedanklich vorgesehen, aber irgendwie… huch… vergessen, es fix in den Haushalt ein zu stellen. Kann ja mal passieren. Wer kennt es nicht: Man plant den Jahresurlaub, vergisst aber glatt, das Geld dafür auf das Sparkonto zu überweisen.
Nun könnte man zynisch sagen: „In Zeiten von Energiewende und Lichtverschmutzung ist es doch ohnehin ökologischer, wenn das Rathaus dunkel bleibt. Die Insekten danken es uns!“
Was brachten die Light Nights?
Auf der anderen Seite steht der gebeutelte Einzelhandel und die Gastronomie in der Innenstadt. Aber haben die Tausenden Besucher, die sonst ehrfürchtig auf bunte Häuserwände starrten, wirklich die Lohnsteuer der Stadt gerettet? Oder haben sie einfach nur die Gehwege verstopft, gegessen und getrunken, und sich danach wieder verabschiedet? Man weiß es nicht genau. Aber sicher ist: Irgendjemand hat immer profitiert, und wenn es nur der Sprizz-Stand an der Ecke war.
Und was sagt Augsburg Marketing, unter dessen Ägide alles durchgeführt wurde, dazu? „Die Light Nights waren kein reines Spektakel, sondern ein zentraler Motor für die Belebung unserer Innenstadt. Sie haben gezeigten emotionalen Mehrwert mit handfesten wirtschaftlichen Impulsen für Handel und Gastronomie verbunden.“
Kurz, knackig und auf den Punkt: Das Licht hat nicht nur Gebäude erstrahlen lassen, sondern auch die Kassen mancher City-Akteure klingeln lassen und Augsburg im WWW und in der Riege der Light Nights Städte positioniert. Rechnet man das Ganze mal konservativ durch: Bei 180.000 Besuchern an drei Tagen, wenn jeder Gast im Schnitt nur mickrige 10 Euro für eine Bratwurst, eine Tramfahrt oder einen Absacker liegen lässt, sprechen wir von 1,8 Millionen Euro direktem Umsatztrieb!
Dazu kommen noch gratis Social-Media-Reichweite und Stadtwerbung, für die man sonst teure Werbeagenturen buchen müsste. Ein Ausfall spart also vielleicht Budget im Rathaus, zieht den Betrieben in der Innenstadt aber ein Vielfaches wieder aus der Tasche.
Wer ist verantwortlich?
Kurz zum Verständnis, da jetzt ja sicher wieder die Verantwortlichkeit hin und hergeschoben wird: Das Wirtschaftsreferat der letzten Regierung hatte das Event optional vermerkt und die Gelder dazu in Aussicht gestellt, ohne sie in den Haushalt zu schreiben. Die jetzige Regierung hat es dann aber auch versäumt, das Ganze in den Nachtragshaushalt zu geben.
Zur Info: Die Light Nights kosteten im letzten Jahr ca. 180.000 Euro, wobei 80.000 Euro durch Sponsorengelder gegenfinanziert waren, dieses Jahr wäre wohl eine ähnliche Größenordnung an Sponsorengelder möglich gewesen.
Spannend wird es also nun bei der Frage, wo das jetzt eingesparte benötigte städtische Budget für die Erleuchtung eigentlich abbleiben wird? Wer glaubt, das Geld wandere jetzt direkt in die zahllosen Dauerbaustellen der Stadt, hat die Rechnung ohne die hohe Kunst der städtischen Umschichtung gemacht.
Die neue Stadtregierung hat schließlich Prioritäten. Und neue Posten! Denn Posten wollen geschaffen, besetzt und vor allem: bezahlt werden.
Anstatt also das eingesparte Lichtgeld in Straßenausbesserungen, die Sanierung maroder Schulen oder das Stopfen von Haushaltslöchern zu stecken, stehen im Stadtrat ganz neue Themen auf der Tagesordnung der kommenden Sitzung vor der Sommerpause am 30. Juli 2026. Unter Ö 3.4 (
Änderung von § 5a GeschO und Bestellung von ehrenamtlichen Stadtratsmitgliedern zu Beauftragten des Stadtrates)
und Ö 3.5 (Änderung der Satzung über die Entschädigung für Aufwand und Zeitversäumnis der ehrenamtlichen Stadtratsmitglieder)etwa.
Braucht es einen Olympia-Beauftragten?
Mein persönliches Highlight der kommenden Stadtratssitzung wird wohl dann die Absegnung der Installation der neuen Beauftragten sein, allen voran des Olympiabeauftragten .
Richtig gehört! Schließlich könnte München sich für die Olympischen Sommerspiele 2036 oder 2040 empfehlen und vielleicht könnte Augsburg dann mit seinem weltberühmten Eiskanal bei den Kajak-Wettbewerben glänzen.
Klar, vorausschauende Planung ist wichtig. Aber wer im Jahr 2026 schon einen Beauftragten für ein Event bezahlt, das vielleicht in 10 bis 14 Jahren stattfindet (wenn die jetzige Ratsperiode längst Geschichte ist), während gleichzeitig das Geld fehlt, um im Hier und Jetzt ein paar Scheinwerfer anzuknipsen… der hat das Wort „Timing“ auf ganz eigene Weise interpretiert.
Vielleicht ist das Ganze aber auch ein ausgeklügelter Masterplan: Wenn die Stadt abends dunkel bleibt, sieht man wenigstens die vielen Baustellen nicht mehr. Und während wir im Dunkeln sitzen, arbeitet der neue Olympiabeauftragte im Kerzenschein bereits an den Streckenplänen für 2036.
Augsburg bleibt eben spannend – auch (oder gerade) ohne Scheinwerferlicht!
PS: Zumindest darf man in der kommenden Stadtratssitzung darauf hoffen, dass die Beschlussvorlage BSV/26/00303 „Die Stadt Augsburg befürwortet die Durchführung der Augsburger Sommernächte 2027 im Zeitraum vom 24.06. bis 26.06.2027“ dann durchgeht.





