Hinter den Kulissen des Profifußballs: Han-Noah Massengo fängt das Menschliche im Millionenbusiness ein

Der moderne Profifußball ist längst ein gigantischer medialer Zirkus, eine von viel Geld getriebene Branche, in der Spieler jeden Samstag auf dem Platz stehen, um von Tausenden Fans verherrlicht zu werden. Sie haben u.a. den Auftrag, den Menschen auf den Rängen ein gutes Gefühl zu schenken, zu performen, zu siegen. Doch wer sind die elf Akteure auf dem Rasen eigentlich abseits der Kameras, der perfekten Social-Media-Inszenierungen und der glatten PR-Kampagnen?

Einen völlig neuen, ungeschminkten Blick auf diesen Alltag gewährt uns derzeit Han-Noah Massengo. Der Profi des FC Augsburg hat im Laufe der vergangenen Saison 2025/26 seine Mannschaftskollegen und das Leben im Verein mit einer analogen Kamera begleitet. Die entstandenen Momente – mal in lebendigen Farben, mal in zeitlosem Schwarz-Weiß – sind nun in der renommierten „Ecke Galerie“ in Augsburg zu sehen. Es ist nach Ausstellungen in Paris und Nizza bereits die dritte und bislang größte des Franzosen, und die erste für (s)einen aktuellen Fußballverein.

Die Fotografien bieten den Betrachtern die seltene Gelegenheit, innezuhalten und zu reflektieren. Sie zeigen, dass hinter der glitzernden Fassade des Sports vor allem eines steht: der Mensch. Massengos Bilder fangen genau das ein, was den Fans und auch Journalisten, selbst den offiziellen Medienabteilungen des Vereins – dem klassischen, digital getriebenen „Fan-Fernsehen“ – meist verwehrt bleibt. Während in der Vereins-PR-Abteilung stark auf Video und glatte Ästhetik gesetzt wird, nutzt Massengo bewusst kompakte analoge Kameras, die in jede Tasche passen. Seine Bilder entstehen in den geschützten Räumen des Teams: in der Kabine, im Mannschaftsflieger, im Bus oder in ganz intimen Momenten.

Interessant ist dabei der/sein Umgang mit den extremen Emotionen, die den Fußball bestimmen. Die Akzeptanz für seine Kamera wuchs im Team rasant – spätestens nach dem ersten Saisonsieg gegen Freiburg entwickelte sich das gemeinsame Foto zu einem festen Ritual. „Sobald wir gewinnen, kommen alle zusammen und ich mache ein Foto“, beschreibt Massengo diese Momente purer Erleichterung und Freude. Doch seine Dokumentation stoppt nicht, wenn das Flutlicht ausgeht und die Enttäuschung einkehrt. Auch nach Niederlagen drückt er ab, wenn auch in einer völlig anderen, stilleren Atmosphäre: „Ich mache auch Fotos, wenn wir verlieren. Aber es ist weniger ein ‚Lasst uns alle zusammenkommen und ein Foto machen‘, natürlich.“ Gerade dieser Kontrast zeigt die ungeschönte Realität des Profisports abseits der sonst so makellosen Bilderwelten.

Dass diese Einblicke überhaupt der Öffentlichkeit präsentiert werden können, verdankt das Projekt auch dem Vertrauen der Vereinsführung. Wie FCA-Geschäftsführer Michael Ströll betont, gab es seitens des Vereins keinerlei Zensur oder Freigabeprozesse. Massengo wird als zutiefst sensibler und vertrauenswürdiger Mensch geschätzt, der selbst am besten weiß, wo die Grenze zwischen Kunst und verletzter Privatsphäre verläuft. Selbst humorvoll diskutierte Motive wie das Bild aus dem Toilettenbereich, das rein von hinten aufgenommen wurde, fügen sich harmonisch in diese künstlerische Dokumentation ein.

FCA-Geschäftsführer Michael Ströll
FCA-Geschäftsführer Michael Ströll

Für Massengo selbst bleibt das Fotografieren ein reines Hobby, ein kreatives Ventil für schwierigere Zeiten und eine Leidenschaft, bei der der Spaß im Vordergrund steht. Den langwierigen analogen Prozess vom Schnappschuss bis zum entwickelten Film aus einem Pariser Labor schätzt er als Entschleunigung zum schnelllebigen Fußballgeschäft. Ein einzelnes Lieblingsbild hat er übrigens nicht – für ihn zählt die gesamte Serie als emotionales Erinnerungsstück an eine ganz besondere Reise durch eine Bundesliga-Saison. Eine Reise, die uns zeigt, dass unter jedem Trikot in erster Linie ein Mensch steckt.

Auch der Schwager von Massengo kam extra zur Vernissage.
Auch der Schwager von Massengo kam extra zur Vernissage.

Die Ausstellung läuft bis Samstag, 8. August 2026 in der Ecke Galerie am Elias-Holl-Platz 6 in Augsburg, der Eintritt ist frei. Geöffnet ist die Galerie donnerstags und freitags von 12.00 bis 18.00 Uhr sowie samstags von 11.00 bis 17.00 Uhr.

Jana Schwindel, 1. Vorsitzende Die Ecke e.V., würdigt die Arbeiten von Han-Noah Massengo: „Han-Noah Massengos analoge Fotografien fungieren als Erinnerungsraum. Hinzu kommt eine beinahe melancholische Ästhetik – mal farbig, mal in Schwarz-Weiß. Wenn ein Fußballspieler selbst zur Kamera greift, verschiebt sich die Perspektive. Es ist kein journalistischer Blick und keine klassische Sportfotografie, sondern die Sichtweise eines Insiders.“
Jana Schwindel, 1. Vorsitzende Die Ecke e.V., würdigt die Arbeiten von Han-Noah Massengo:
„Han-Noah Massengos analoge Fotografien fungieren als Erinnerungsraum. Hinzu kommt eine
beinahe melancholische Ästhetik – mal farbig, mal in Schwarz-Weiß. Wenn ein Fußballspieler selbst
zur Kamera greift, verschiebt sich die Perspektive. Es ist kein journalistischer Blick und keine
klassische Sportfotografie, sondern die Sichtweise eines Insiders.“

Zudem gibt es ein Fotobuch, das auf 156 Seiten ausschließlich Fotografien von Han-Noah Massengo versammelt, ergänzt durch persönliche und teils humorvolle Kommentare des Spielers. Der gemeinsam mit dem FC Augsburg realisierte Bildband ist zum Preis von 29,95 Euro im FCA-Onlineshop, in den FCA-Fanshops sowie in der Ecke Galerie erhältlich.

Zur Ausstellung gibt es auch ein Buch mit den Fotografien.
Zur Ausstellung gibt es auch ein Buch mit den Fotografien.