Die Maxstraße: Sommernächte und Mallorca-Feeling mit all seinen Schattierungen

Es ist mit der Augsburger Maxstraße ein bisschen wie mit der Lieblingsinsel der Deutschen: Mallorca. Man liebt dieses „wunder- und wandelbare“ Fleckchen Erde, aber manchmal ist eben auch pure Ballermann-Stimmung angesagt. Nicht eben zur Freude aller. Etwa der Anwohner! Die finden diese Auswüchse oft genauso wenig prickelnd wie die echten Mallorquiner.

Dabei kennen wir die Thematik nicht erst seit gestern. Gefühlt gibt es Diskussionen um die Maxstraße, seit ich denken kann. Die Auto-Poser erlebte ich schon als junge Frau. Später kam die Müll-Problematk hinzu, und das „Kübel-Trinken“ im Peaches vom heutigen Stadtrat und MdL Leo Dietz erinnerte gleichwohl an Malle . In der Krawallnacht vom 19. auf den 20. Juni 2021 erlebten wir dort leider auch einen unvergesslichen Abend mit unerträglicher Aggressivität gegen Sicherheitskräfte und Hilfsorganisationen.

In der letzten Stadtratsperiode gab es schließlich den Beschluss, die Einfahrt in den Sommermonaten am Wochenende (donnerstags bis samstags, 20:30 bis 5:00 Uhr) nur für Anwohner, Taxis, Lieferdienste und Hotelgäste sowie den ÖPNV zu erlauben – eine Maßnahme, die dringend wieder konsequent umgesetzt werden sollte, nachdem sie zwischenzeitlich weniger durchgesetzt wurde, wie massive Beschwerden der Anwohner kürzlich verdeutlichten.

Wenn die Maxstraße zur Festung wird

Dabei geht es den Anwohnern überhaupt nicht darum, das Feiern zu verbieten. Im Gegenteil: Auf die anstehenden Augsburger Sommernächte freuen auch sie sich, wie man in der Pressekonferenz von Heinz Stinglwagner (Augsburg Marketing) zu den anstehenden drei Tagen Sommernächte sehr schön heraushören konnte. Die Ironie an der aktuellen Situation: Währenddessen ist die Maxstraße verkehrstechnisch wohl der sicherste Ort der ganzen Stadt. Warum? Weil aufgrund der Aufbauten und der strengen Auflagen, die Augsburg Marketing zur Absicherung erfüllen muss, schlichtweg niemand mehr reinfahren kann. Alles ist gesperrt. Natürlich wird es dann vor allem in der Maxstraße und auf dem Rathausplatz dennoch eine Ballermann-Stimmung à la Schinkenstraße geben. Aber genau wie auf Mallorca bieten die Sommernächte eben auch viele andere, entspannte Fleckchen, an denen man sich einfach wohlfühlen kann – im Stadtmarkt beispielsweise. Es wird wieder ein Fest für alle.

Die wirklich spannende Frage ist aber nicht, was am Wochenende passiert, sondern danach. Wenn am Sonntag alles abgeräumt ist und beispielsweise am Montag das Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft mit Deutschland auf dem Platz um 22:30 Uhr ansteht. Dann sind die schützenden Buden weg und laut Statuten ist die Straße nicht mehr gesperrt, da Wochenanfang ist und die reine Anwohner- und Sondereinfahrtserlaubnis (Taxis etc.) eben nicht gilt .

In einer aktuellen Pressemitteilung zur Lage in der Maxstraße und den Ereignissen nach dem WM-Sieg Deutschlands gegen die Elfenbeinküste äußerte sich nun Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Florian Freund, in dessen Referat der Bereich Wirtschaft und damit die Maxstraßen-Thematik (ein Erbe vom früheren Wirtschafts-Referenten, Wolfgang Hübschle) inzwischen angesiedelt ist. Er betont, ein WM-Sieg löse Freude aus, das Zeigen von Emotionen im öffentlichen Raum sei völlig in Ordnung und er wolle die Menschen nicht vom Feiern abhalten.

„Ich verstehe, warum die Menschen an diesem Abend auf die Straße gegangen sind […] Solange dies friedlich und mit einem Mindestmaß an Rücksichtnahme erfolgt, ist dagegen nichts einzuwenden.“ 

Doch hier liegt ein gewaltiger Denkfehler vor:

Herr Oberbürgermeister, es geht hier doch gar nicht ums Feiern! Niemand will den Menschen verbieten, bei einem WM-Sieg auf die Straße zu gehen und zu jubeln. Das Problem ist nicht die Party, das Problem ist das Blech. Es geht darum, dass Leute mit ihren Autos und Motorrädern in diese feiernde Menge hineinfahren – und das teilweise mit Geschwindigkeiten, die alles andere als harmlos sind, wie eben am vergangenen Samstag erlebt.

Menschen, die auf der Straße friedlich den Einzug in die nächste WM-Runde feiern, sind eine Bereicherung für die Stadt. Aber wenn links und rechts davon Autos und Motorräder durch die Massen posen, wird es brandgefährlich. Das hat dann nichts mehr mit friedlicher Feierstimmung oder Mallorca-Feeling zu tun, sondern ist schlichtweg ein unkalkulierbares Risiko. Hier muss die Stadt – auch über die Sommernächte hinaus – endlich aufwachen und klare, konsequente Kante gegen den motorisierten Übermut zeigen.

Die entscheidende Überlegung für die Zeit nach den Sommernächten muss daher lauten: Wer übernimmt jetzt dauerhaft und konsequent die Zuständigkeit, um diejenigen Autofahrer fernzuhalten, die stundenlang nur ihre Runden drehen, um anzugeben? Ist es das Ordnungsamt oder braucht es hier die Polizei mit ordentlich Rückendeckung?

Die Stadt muss das Rad nicht neu erfinden – sie muss nur das reaktivieren, was sich schon einmal bewährt hat. Wenn die Sommernächte vorbei sind, darf das Thema nicht wieder im bürokratischen Tiefschlaf versinken. Schließlich wollen wir nicht nur nach dem Schlusspfiff der Nationalelf-Spiele friedlich feiern, sondern den ganzen Sommer über – und zwar auf der Straße, nicht unter den Rädern der Poser-Szene. Wäre auch mal wieder der Zeitpunkt, um über eine reine Fußgängerzone nachzudenken. Stichwort: Maxstraßen-Boulevard statt Fugger-Boulevard! Dies wäre doch mal ein sinnvoller neuer Beauftragter-Posten, den man schaffen könnte (stehen ja gerade einige zur Debatte und sollen ja nur knapp 800 Euro im Monat dem/der Auserwählten bringen, wie man hört) : Maxstraßen-Beauftragte/-r. Wobei, den gab es doch schon mal, verschwand aber irgendwie im Sande.