Zwischen Europa-Träumen und Zukunfts-Rätseln in puncto Kontinuität

Wer wird hier in der Saison 2026/27 vor den Spieltagen Rede und Antwort stehen?

Der letzte Spieltag steht bevor, und für den FC Augsburg geht es um mehr als nur um Punkte in der „Alten Försterei“. Es geht um Geschichte. Wenn Manuel Baum seine Mannschaft am Samstag aufs Feld schickt, tut er das mit einem klaren Wunsch: gute Entscheidungen treffen und am Ende – im Bestfall – das Ticket für die Conference League lösen.

Es wäre die Krönung einer Spielzeit, die erst im Herbst/Winter für ihn begann und dennoch das Potenzial hat, als drittbeste Saison der Vereinsgeschichte in die Annalen einzugehen. Nach 2015 könnte Augsburg zum zweiten Mal Europa erobern. Manuel Baum steht kurz davor, endgültig Geschichte zu schreiben.

Das Paradoxon des Erfolgs

Doch während auf dem Platz die Euphorie regiert, wabert im Hintergrund eine seltsame Ungewissheit. Eigentlich war der Plan ein anderer: Baum war angetreten, um kurzfristig zu helfen, mit der festen Absicht, danach auf seine Position als Leiter Innovation zurückzukehren. Doch dann kam der Erfolg. Die Ergebnisse waren schlicht zu gut, um sie zu ignorieren. Der Klassenerhalt war früher sicher als selten zuvor, die Einstelligkeit in der Tabelle greifbar und Europa plötzlich ein realistisches Ziel.

In der Mixed-Zone und in den Fan-Herzen ist die Entscheidung längst gefallen: Man will mit diesem Trainer in die nächste Saison gehen. Wie will man den Menschen auch vermitteln, dass ein Architekt des Erfolgs weichen soll?

Und doch bleibt diese Saison mit einem merkwürdigen Unterton behaftet. Wer die Äußerungen von Geschäftsführer Michael Ströll bei den Kollegen der Sportpresse aufmerksam liest und anhört, vernimmt zwar viel Positives, aber eben auch diesen einen, stets mitschwingenden Beigeschmack. Es ist dieses „Aber“, das im Raum steht: Man müsse schauen, was für den Club und für Manuel Baum selbst „das Richtige“ sei. Hinter den Kulissen scheint ein Getriebe zu laufen, dessen Mechanik sich dem Außenstehenden nicht sofort erschließt.

Es wirkt fast so, als hätte mancherorts der „Borkenkäfer“ angesetzt. Jene kleinen, zweifelnden Äußerungen, die am stabilen Baum nagen und suggerieren, man traue ihm die langfristige Kontinuität vielleicht doch nicht zu. Es ist ein gefährliches Spiel mit der öffentlichen Wahrnehmung, das bereits jetzt Spuren hinterlassen hat.

Am Samstag wird abgerechnet. Während ein Großteil der Bundesliga noch um alles kämpft, hat der FCA die Luxussituation, nach den Sternen greifen zu können. Der „Baum“ wird in Augsburg sicher nicht gefällt werden – dafür ist seine fachliche Expertise im Verein zu geschätzt. Doch die Frage bleibt: Steht er nächste Saison an der Seitenlinie oder pflanzt man ihn wieder im NLZ?

Hoffen wir, dass der Schaden durch die rhetorischen Nebelkerzen der letzten Wochen marginal bleibt. Denn egal wie das Spiel in Berlin ausgeht: Diese Mannschaft und dieser Trainer haben eine klare Perspektive verdient. In Augsburg sollte man eigentlich wissen, was man mit Beständigkeit erreichen kann. Jetzt muss man nur noch den Mut finden, sie auch über den Sommer hinaus wachsen zu lassen.