Interview mit Florian Simbeck, Stefan von Erkan & Stefan.

Nimm dich nicht so ernst – Interview mit Stefan (Florian Simbeck) von Erkan & Stefan

Vorneweg du baust gerade ein neues Live-Comedy Format auf. Wie sieht deine Arbeit beim  „Upstairs Comedy Club“ aus?

Stefan: Ich bin derjenige, der die Fäden zwischen München und Nürnberg zusammenhält, weil ich unheimlich viel veranstalte. Letztes Jahr hatte ich noch 150 Auftritte. Ich sehe ständig andere Comedians und hole sie dann für Live-Shows nach Augsburg oder Ingolstadt. Die neue Location ist super: Der Jazzclub bleibt für die Comedy Lounge weiterhin bestehen, aber für alles mit über 100 Zuschauern bietet sich der neue Ort perfekt an. (Anmerkung: im großen Veranstaltungsraum im vierten Stock des Modehaus JUNGfindet der Upstairs Comedy Club statt.)

Es wird auch einen Auftritt von „Erkan & Stefan“ geben. Wann  und wie seid ihr beiden eigentlich wieder zusammengekommen?

Stefan: Wir hatten privat über die ganze Zeit hinweg Kontakt, aber beruflich brauchten wir nach all den Jahren einfach mal eine Pause voneinander. 2018 hatten wir dann beim Deutschen Comedypreis wieder einen ersten gemeinsamen Auftritt. Wir hatten einfach wieder richtig Bock, zusammen auf der Bühne zu stehen. Das hat sich sofort wieder vertraut angefühlt, wie in der Zeit zurückgeschmissen. Seitdem machen wir wieder regelmäßig gemeinsame Projekte und stehen zusammen vor der Kamera und auf der Bühne.

Wie nimmt das Publikum eure Shows heute wahr? Kommen verschiedene Generationen zusammen?

Stefan: Das erleben wir absolut. Früher wurden die Kids von ihren Eltern begleitet, heute kommen diese ehemaligen Kids selbst mit ihren eigenen Kindern oder bringen die Großeltern mit. Viele erzählen uns nach der Show, dass sie uns schon früher live gesehen oder sich bei einem unserer Auftritte kennengelernt haben. Es ist schön zu sehen, dass Erkan & Stefan mittlerweile ein generationenübergreifendes Thema ist.

Was erwartet das Publikum, wenn man euch heute live erlebt, immer noch die klassischen Rollen von Erkan und Stefan?

Stefan: Unsere Figuren sind im Kern immer noch die gleichen, aber sie reiben sich an den heutigen Herausforderungen. Die Jugend denkt und fühlt anders, alles ist inklusiver. Wir versuchen, alles richtig zu machen, wollen ökologisch sein, gendern. Und scheitern natürlich auf unterhaltsame Weise daran. Es sind die gleichen Charaktere, die versuchen, Schritt zu halten.

Habt ihr euch früher eigentlich je über Minderheiten lustig gemacht?

Stefan: Das haben wir nie gemacht. Wir waren zwei Freunde, ein Deutscher und ein Türke, die sich gegenseitig verarscht haben. Wir waren zwei Halbstarke, die cool sein wollten. Wir haben uns immer mit alltäglichen Themen auseinandergesetzt. Früher bei Bayern 3 ging es um die Sonnenfinsternis oder den Millennium-Bug, heute um Elektromobilität, Fridays for Future oder die Nährwertampel. Wir betrachten die Themen, mit denen jeder konfrontiert wird, durch unsere Brille. Das Thema Migration war nie unser Schwerpunkt, auch wenn man uns oft in diese Schublade stecken wollte.

Glaubst du dennoch, dass ihr als Vorreiter Türen für andere geöffnet habt?

Stefan: Ja, ich denke schon, dass wir der Debatte damals etwas die Schärfe genommen und das Thema salonfähig gemacht haben. Wir haben eine hohe Sichtbarkeit für türkische Kids geschaffen, die sich plötzlich in den Medien wiedergefunden haben. Wir haben nie Minderheiten herabgewürdigt. Wenn wir früher etwas als „schwul“ bezeichnet haben, war das keine Homophobie, sondern eine Parodie auf Halbstarke, die ihre Männlichkeit über solche Sprüche definieren wollten. Wir haben dieses Verhalten auf der Straße aufgegriffen und lächerlich gemacht.

Wie geht ihr mit Kritik oder Gegenwind um?

Stefan: Manche Leute hören nur Signalwörter und machen sich nicht die Mühe zu verstehen, dass es sich um Parodie und Zeitkritik handelt. Sie ziehen sich einzelne Begriffe heraus, ohne eine Ebene tiefer zu schauen. Fehler zu machen oder zu scheitern ist völlig okay. Man ist als Mensch nie fertig und sollte immer dazulernen wollen.

Spürt ihr diese Akzeptanz auch im Austausch mit jüngeren Menschen?

Stefan: Auf jeden Fall. Solange man locker und aufrichtig bleibt und nicht versucht, ihnen ihre Sprache wegzunehmen, klappt das super.

Ihr seid mittlerweile auch stark im Netz vertreten. Wie sieht euer Streaming-Alltag aus?

Stefan: Wir livestreamen fast jeden Tag auf Plattformen wie Twitch und haben unheimlich viel Spaß daran! Das tägliche Streamen gibt uns die Möglichkeit, ganz direkt mit unserer Community zu interagieren, gemeinsam Formate oder Shows zu kommentieren und nahen Kontakt zu den Fans zu halten. Es ist eine tolle Ergänzung zu den Live-Auftritten.

Würdet ihr euch selbst eher als Kabarettisten oder als Comedians bezeichnen?

Stefan: Wir würden uns auf jeden Fall als Comedians bezeichnen – auf keinen Fall als Kabarettisten!

Gibt es nach all den Jahren ein neues Ziel, das ihr gemeinsam erreichen wollt, beispielsweise eine Serie oder einen Kinofilm?

Stefan: Natürlich fragen uns die Leute immer wieder, wann der vierte Kinofilm kommt. Wir sind der Meinung: Es wird langsam Zeit. Bully macht Filme, Atze Schröder macht nach 30 Jahren wieder einen Kinofilm und bei Manta Manta kam ein zweiter Teil heraus. Bei uns wäre das irgendwann auch fällig, aber wir forcieren es aktuell nicht. Wir wollen die Leute einfach zum Lachen bringen und haben Spaß daran, unsere Community zu pflegen.

Gibt es etwas, das dir bei euren Auftritten besonders wichtig ist?

Stefan: Die Leute sollen im Trainingsanzug zu unserem Auftritt kommen! Dann gibt es auch Selfies.

Trägst du den Trainingsanzug eigentlich auch privat im Alltag?

Stefan: Fast jeden Tag! Ich laufe zu Hause jeden Tag in den Adiletten herum und habe natürlich auch eine Jogginghose. Da wir fast jeden Tag livestreamen, schlüpfe ich ohnehin ständig in das Outfit. Es ist beruflich bedingt, aber auch daheim privat ganz natürlich.

Wie reagiert deine Frau darauf, wenn du ständig im Trainingsanzug unterwegs bist?

Stefan: Meine Frau hat schon ihren Spaß an der Comedy. Zu Hause läuft sie übrigens auch ab und zu im Jogginganzug herum. Wir sind ganz entspannte Leute und nehmen uns privat nicht so ernst.

Meinst du, dass sich die gesellschaftliche Einstellung zum Älterwerden und zu Freizeitinteressen verändert hat?

Stefan: Ja, absolut. Unsere Generation, und auch die etwas Jüngeren, sieht das Leben nicht mehr so streng wie unsere Eltern. Freizeit und Work-Life-Balance sind uns wichtig. Früher hieß es bei über 50-Jährigen im Trainingsanzug sofort, sie hätten ihr Leben nicht im Griff. Heute dürfen wir Erwachsenen Actionfilme schauen, Videospiele spielen und Spaß haben. Wir nehmen uns alle nicht mehr so ernst wie früher, und genau dafür stehen wir auch: Nimm dich nicht so ernst, es ist alles okay.

Am 8. September 2026 sind „Erkan & Stefan“ im „Upstairs Comedy Club“ (Modehaus Jung Augsburg) zu sehen.

Karten gibt es über die Website des Upstairs Comedy Club upstairscomedy.de oder natürlich über erkanstefan.de