Im Laufe meines Journalistinnen-Lebens begleite ich viele Menschen. Oft kreuzen sich die Wege bereits am Beginn einer Karriere. Es ist dann immer spannend zu beobachten, wie sich Persönlichkeiten und Lebensläufe entwickeln. Wenn ich dann Jahre später die Gelegenheit habe, diese Menschen beruflich wieder zu treffen oder gemeinsam – wie in diesem Fall mit den Kollegen vom Presseclub Augsburg – eine Veranstaltung zu verwirklichen.

Zu Gast im Stadtsparkassesaal der Stadtbücherei Augsburg war Dr. Sarah Straub. Die promovierte Psychologin, Wissenschaftlerin am Universitätsklinikum Ulm und Singer-Songwriterin verknüpft in ihren Formaten fundierte Facharbeit mit berührender Aufklärung über ein Thema, das längst eine Volkskrankheit ist: Demenz.
Wissenschaft, persönliche Biografie und der Umgang im Ist-Zustand
Sarah Straubs Arbeit besteht aus einer besonders glaubwürdigen Kombination. Neben ihrer wissenschaftlichen und klinischen Praxis bringt sie eine tiefe persönliche Betroffenheit mit: Bereits als junge Frau pflegte sie ihre eigene Großmutter, später begleitete sie ihren Schwiegervater, die beide an Demenz erkrankten. Diese Erfahrungen verarbeitete sie unter anderem in ihrem Buch „Lebensmut trotz (t) Demenz“.
Die Veranstaltung, die musikalisch mit ihrem Lied „Glück“ eröffnet wurde, machte unmissverständlich klar: Demenz ist bis heute weder heilbar noch zu stoppen. Umso wichtiger ist es, den Ist-Zustand zu bearbeiten. Straub schilderte praxisnah, wie man den Umgang mit der unaufhaltsamen Krankheit für Betroffene erträglicher gestalten kann. Ein eindrückliches Beispiel lieferte die Geschichte eines Bekannten aus Frankfurt, der bereits im Frühstadium der Erkrankung aktiv Vorkehrungen traf, um selbstbestimmt mit dem kommenden Verlauf umzugehen.
Der Haupttenor des Abends: Es geht darum, nah dran zu bleiben. Denn wie Straub treffend formulierte: „Das Herz ist nicht dement.“ Die Gesellschaft und das soziale Umfeld brauchen Menschen, die wissen, wer der Erkrankte war, um eine sensiblere Begleitung zu ermöglichen.
Ein Thema, das uns alle angeht
Man stellt sich unweigerlich die Frage: Muss ich mich intensiv mit dem Thema Demenz befassen, solange ich nicht unmittelbar im eigenen familiären Umfeld betroffen bin? Die Antwort nach diesem Abend lautet eindeutig: Ja, das müssen wir.

Demenz ist eine Volkskrankheit, die jeden von uns jederzeit treffen kann. Gespräche im Nachgang der Veranstaltung machten deutlich, wie sehr die Pflege und Begleitung von Demenzkranken an die physischen und psychischen Grenzen der Angehörigen gehen. Hier ist nicht nur das direkte Umfeld gefordert, sondern die Gesellschaft als Ganzes. Es braucht verbesserte Rahmenbedingungen, mehr Aufmerksamkeit und eine systematische Unterstützung, um diese Menschen und ihre Familien nicht alleine zu lassen.






