Pressekonferenzen vor Spielen gegen den FC Bayern München glänzen meist durch gewohnte Phrasen. Doch vor diesem Spieltag wehte ein Hauch von ostasiatischer Kampfsport-Philosophie durch die Katakomben der WWK Arena. FCA-Trainer Manuel Baum gab sich auf dem Podium gewohnt bedacht und diplomatisch abwägend, wählte dabei aber eine interessante Metapher: Wer im Kampfsport nur auf die Schlagkraft des Gegners starrt, habe schon verloren. Man müsse stattdessen auf die eigenen Hände schauen.
Das klingt erhaben, fast so, als stünde am Samstag nicht der übermächtige Rekordmeister auf dem Rasen, dessen Coach Vincent Kompany pünktlich zum Wochenende von Ministerpräsident Markus Söder mit dem Bayerischen Sportpreis dekoriert wird. Voreilige Siegesgewissheit liegt Baum dabei fern. In seiner gewohnt ausgewogenen Art räumte er realistisch ein, dass die Wahrscheinlichkeit auf Zähler gegen die Münchner naturgemäß überschaubar ist. Und doch brennt da dieses kleine schwäbische Feuer. Im kollektiven Gedächtnis der Fuggerstädter ist schließlich eingebrannt: In der vergangenen Saison war der FCA die einzige Mannschaft in der gesamten Liga, die den Bayern eine Niederlage beibringen konnte. Dass Bayer Leverkusen dadurch bis heute als unbesiegter Meister der Historie glänzt, verdanken die Rheinländer auch den Fuggerstädtern. Das hindert die Landespolitik in München natürlich keineswegs daran, Kompany am Samstag in der BMW Welt als Maß aller Dinge zu ehren.
Die Causa Finn Dahmen
Dass der Weg zum Augsburger Zen keineswegs frei von weltlichen Irritationen ist, bewiesen die Fragen in Sachen Finn Dahmen. Der FCA-Schlussmann musste bei der Nationalmannschaft tatenlos zusehen, was vor allem bei den heimischen TV-Zuschauern und rot-grün-weißen Fans zu spür- und lesbarer Enttäuschung geführt hatte. Ob diese emotionale Schramme Dahmen nun zu Höchstleistungen anstachele, um dem Bundestrainer nachträglich das eigene Können reinzureiben? Baum parierte diplomatisch geschult und gewohnt sachlich. Die Antwort darauf, ob man genauso gelassen bei den parallel aufkeimenden Gerüchten ist, der FC Bayern habe den Augsburger Keeper längst auf dem Zettel, muss vorerst hinten angestellt werden.
Wie wichtig sind Testspiele?
Auch in Sachen Spieldynamik gab es jüngst lehrreiche Lektionen. Doch das unlängst absolvierte 2:2 im Test gegen Zweitliga-Spitzenreiter Hertha BSC schien im Gedächtnis des Trainers bereist verblasst. Dass man dabei eine komfortable 2:0-Führung verschenkte, verbuchte er pragmatisch unter der Rubrik „Erkenntnisgewinn aus einem Testspiel“.
Am Samstag zählt das alles freilich nicht mehr. Trotz aller fernöstlicher Weisheit und diplomatischen Zurückhaltung bleibt die schwäbische Grundordnung simpel: Auf dem Platz muss schließlich laut Baum „wie ein Wahnsinniger gesprintet“ werden. Niemand geht in ein Bundesliga-Spiel, um dem Gegner freundlich zum Sportpreis zu gratulieren und die drei Punkte als Zusatzgeschenk einzupacken. Wenn am Ende alle Zähler in Augsburg bleiben, hat die eigene Kampfkunst ihren Zweck erfüllt. Und falls es nur ein Remis wird? Nun, ein echter Kampfkünstler weiß auch einen halben Sieg zu schätzen.






