Standards, Laktatwerte und das ewige Pokern auf dem Transfermarkt, in Zeiten des Sommer-Trainingslagers eines Vereins steht dies und die harte Arbeit auf dem Platz im Vordergrund. Und dann gibt es ja noch die Testspiele. Am Rande des FCA-Aufenthaltes am Achensee war dies gegen den SC Eglo Schwaz, aus der österreichischen Regionalliga-West. Zur Info: es endete 0:15 für Baums Mannen.

Vielmehr zählt bei solch einem Spiel aber das Ausprobieren von Rollen auf dem Platz, zumal sich in puncto Kader noch einiges tun könnte. Klar war am Rande des Spieles, dass Dimitrios Giannoulis definitiv den FCA verlassen wird. Wer noch, wird sich zeigen. Erzeugt das aber nicht Unsicherheit in der Planungssicherheit beim Coach? Manuel Baum brachte es gewohnt pragmatisch auf den Punkt: „Wer morgen noch im Kader steht, weiß man erst, wenn das Transferfenster schließt.“ Analysiert wird von ihm dosiert per Videoleinwand direkt am Rasen mit direktem Trainingsbezug.
Wir erinnern uns, da war doch was:
Wie gut Teambuilding und Vorbereitung im Trainingslager letztendlich wirklich liefen, werden die Feedback-Runden mit Sportdirektor Benni Weber, Julian Baumgartlinger und der Mannschaft in den kommenden Tagen zeigen, so Baum.
Die Geschichten abseits des Platzes
Doch wer den Fußball nur an Taktiktafeln und Kilometerleistungen misst, verpasst die eigentlichen Geschichten. Die Geschichten am Rande, die der Fans und Menschen im Fußballzirkus.
Da sind zum Beispiel Markus und seine Tochter Emma, beide stolze Mitglieder beim Fanclub Wertach Bros. Sie sind als „Ersatz für den Ersatz“ kurzfristig nachgerückt und können ihr Glück kaum fassen: zwei erbeutete Plätze bei der Fanfahrt inklusive Fahrt mit der historischen Achensee-Bahn und Ausflug nach Innsbruck sowie einem Meet & Greet mit den FCA-Profis.

Beim letzten Testspiel gegen den österreichischen Drittligisten SC Schwaz – einer Mannschaft, die vom Niveau her etwa der deutschen 5. Liga entspricht und, wie Sponsor Samuel Kasapoglu erzählt, noch relativ neu zusammengewürfelt ist – ging es für die FCA-Profis darum, sich selbst auf dem Platz zu organisieren und ihre Rollen zu finden. Trainer Baum gab explizit wenig Anweisungen vor Spielbeginn.

Immerhin steht schon bald nach weiteren zwei Testspielen (zuhause gegen US Sassuolo Calcio und auswärts gegen Leeds United FC), der DFB-Pokal und das erste Bundesligaspiel gegen Schalke auf dem Kalender. Mit deren Coach Miron Muslić spielte schon Daniel Nagresalovic, den ich getroffen habe, in der Mannschaft.

Und schließlich traf ich eine Familie direkt aus Schwaz, deren Mutter ursprünglich aus dem Augsburger Bärenkeller stammt und an diesem Tag wie selbstverständlich im rot-grün-weißen Herzen mitfieberte.
Es ist diese einzigartige Verbindung , die ein Trainingslager im Kern ausmacht. Dass die Augsburger den Testspiel-Abend am Ende mit 15 Toren versilberten, passt übrigens historisch perfekt zur Kulisse: Auch die Augsburger Kaufmanns-Familie der Fugger legte einst mit den Erträgen aus den Schwazer Silberbergwerken den Grundstein für ihren sagenhaften Reichtum. Die Spuren dieser Geschichte sind hier überall greifbar, von der Fuggergasse bis hin zum historischen Fuggerhaus.

Ein Trainingslager ist eben weit mehr als Schweiß, Einheiten und Taktikfinessen. Es ist der Ort, an dem Historie, persönliche Anekdoten und echte Fan-Leidenschaft aufeinandertreffen.





