Weg von der Schokoladenschuss-Position: Warum der FCA mehr Mut zum Abschluss braucht

Pressekonferenzen vor einem Bundesligaspiel liefern interessante Einblicke in das Innenleben eines Vereins, wobei besonders der Blick auf die jüngsten Auftritte, die spielerische Balance und die Verwertung von Tormöglichkeiten im Fokus stehen. Rückblickend auf das jüngste Pokalspiel gegen Großaspach stellt sich unweigerlich die Frage, was für ein Gefühl das Trainerteam nach einer solchen Partie verspürt und wo eventuell das Quäntchen Konstanz vermisst wird. Auf der Habenseite steht eine brutal junge und unerfahrene Mannschaft, die nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich zum 2:2 große Ruhe bewahrte und spielerisch überzeugte, freute sich der Chefcoach. Dennoch sorgen defensive Wackler und Gegentore in schöner Regelmäßigkeit dafür, dass hart erarbeitete Vorteile zu leicht aus der Hand gegeben werden. Zwar gehört der FCA offensiv mit 17 Treffern zu den treffsichersten Teams der Liga, doch die 13 Gegentreffer verhindern eine noch bessere Platzierung, wie Baum ebenso anmerkte.
Besonders auffällig sei dabei ein statistisches Phänomen: Bis zur 75. Minute bewegte sich das Team in der Vergangenheit tabellarisch weit oben, ließ danach aber oft Punkte liegen.

Unnötige Zitterpartien

Wenn man führt, der Gegner noch einmal herankommt und das Team am Ende zwar über den Kampf das Ergebnis rettet, fragt man sich unweigerlich, ob man sich diese emotionalen Zitterpartien nicht einfach sparen könnte. Die Ursachen dafür sind komplex und reichen von taktischen Anpassungen des Gegners, der in Rückstand geraten ins Risiko geht, bis hin zu der Frage, ob auf bestimmten Positionen in der Schlussphase die Sprintfähigkeit und die physische Frische abnehmen, und man durch gezielte Wechsel zwingend nachlegen muss.
In diesem Zusammenhang rückt auch die Abschlusskultur und das Offensivspiel in den Mittelpunkt, wobei das Thema Torschüsse weit über die klassische Komfortzone hinausgeht.

Mehr Mut und weg von der Schokoladenschussposition

Jeder Spieler neigt dazu, sich den Ball in seine bevorzugte Schokoladenschuss-Position zu legen, weil er dort das beste Gefühl hat. Doch im modernen Fußball steht der Gegner meist genau dort, wo man den Ball am liebsten hätte, weshalb es eine grundlegende Kulturfrage ist, variable Schusstechniken abzurufen und sich von festgefahrenen Mustern zu lösen. Es geht darum, im Angriffsdrittel nicht zu lange nachzudenken, sondern konsequent den Abschluss zu suchen. Dabei zeigt der Blick auf erfolgreiche Szenen, dass es nicht immer der harte, kompromisslose Gewaltschuss sein muss; oft ist ein präziser, fast passähnlicher Abschluss mit dem ersten oder zweiten Kontakt – wie jüngst bei Rodrigo zu sehen war – weitaus zielführender, um den Gegner vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Beim kommenden Heimspiel sollte man dies schon mal zum Einsatz bringen.