Auf dem Papier liest sich das heutige Heimspiel gleich wie ein klassisches Bundesliga-Szenario mit klarer Rollenverteilung: Hier der FC Augsburg als etablierter Tabellenzehnter im gesicherten Mittelfeld, dort der 1. FC Union Berlin, der auf Platz 17 tief im Keller steckt. Doch wer die letzten Wochen verfolgt hat, weiß, wie trügerisch diese Momentaufnahme ist.
Da schwebten unsere Fuggerstädter samt Fans nach starken Auftritten und dem hochbeachtlichen Remis gegen den FC Bayern erst einmal auf Wolke sieben. Eine Partie, in der der Videobeweis mal den Augsburgern im entscheidenden Moment half. Allerdings nicht zur Freude der Bayern Bosse, wie ich kürzlich am Rande des Bayerischen Sportpreises im kurzen Plausch mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gemerkt habe: Die Sichtweise hängt eben immer davon ab, auf welcher Bank man sitzt.

Wenn der VAR das Spiel zerhackt
Doch während man gegen die Bayern noch von den technischen Hilfsmitteln profitierte, zeigte die bittere 3:4-Niederlage in Elversberg die unschöne Schattenseite. Ein Spiel, in dem Augsburg absolut einen Punkt hätte mitnehmen können, das aber am Ende durch VAR-Eingriffe und uferlose Handspiel-Debatten völlig auf den Kopf gestellt wurde.
Man muss den Videobeweis ja nicht gleich verteufeln, schwarz-weiße Fakten wie eine glasklare Abseitsposition sind schließlich eine feine Sache für die Gerechtigkeit. Doch wo verläuft die Grenze? Wenn minutenlang in der Bildschirm-Dauerschleife nach Gründen gesucht wird, ein Tor doch noch wegzupfeifen oder eine Entscheidung des Schiedsrichters zu bestätigen oder zu widerlegen,wirkt das Ganze nur noch hilflos und beraubt den Fußball seiner Spontanität. Hier wäre weniger Kölner Keller und deutlich mehr Vertrauen in das Bauchgefühl des Schiedsrichters auf dem Rasen schlichtweg ein Segen für den Sport, meint auch FCA Coach, Manuel Baum. Zumindest, wenn man seine Aussagen in der letzten Pressekonferenz dazu hört.
Der Blick auf Union: Gezielte Szenen statt Videostudien-Marathon
Und genau diese Entschlossenheit braucht es nun auch, wenn die vermeintlich kriselnden Eisernen aus Berlin in die WWK Arena kommen. Wer jetzt glaubt, man zieht sich im Trainerbüro stundenlang die kompletten Spiele von Union aus den letzten Wochen rein, verkennt die moderne Spielvorbereitung gewaltig.
Niemand schaut sich starr an, wie Union über 90 Minuten gegen Dortmund gekämpft hat. Die wahre Kunst liegt doch darin, ganz gezielt die entscheidenden Szenen herauszupicken: Welche Momente offenbaren, wie die Berliner auf bestimmten Druck reagieren? Welche Dynamiken entstehen, wenn man ihnen Aufgaben stellt, die sie so noch nicht lösen mussten?
Am Ende zählen weder das trügerische Tabellenbild noch der nächste ratlose Blick auf den Monitor. Es geht um Tagesform, Spielfreude und die richtige Antwort auf dem Rasen. Und wieder um mehr aktives Spiel statt verlängerter Bildschirmzeit durch den VAR.






