Es gibt Momente, die symbolisieren die gesamte Gemütsverfassung eines Vereins treffender als jede Statistik. Da will man zur Pressetribüne, der gewohnte Komfort des Aufzugs bleibt einem verwehrt, und plötzlich heißt es: Treppensteigen. Es ist mühsam, es geht in die Beine, und man muss sich jede Etage hart erarbeiten. Genau so fühlte sich das Unentschieden gegen Hoffenheim an – ein Spiegelbild des Augsburger Weges zum Klassenerhalt!?
Dabei fing alles so verheißungsvoll an, fast wie eine lautlose Fahrt im Express-Lift. Eine 2:0-Führung, die drei Punkte schienen zum Greifen nah, der Klassenerhalt wieder fast schon in trockenen Tüchern. Doch beim FCA ist der Weg nach oben selten eine gerade Linie ohne Hindernisse. Hoffenheim kam zurück, nutzte die Augsburger Nachlässigkeiten aus und glich aus. Dass dann auch noch die Chance vom Elfmeterpunkt vergeben wurde, um den „Heimdreier“ doch noch zu erzwingen, passte ins Bild eines lehrreichen Abends für Coach Manuel Baum .
Natürlich ist der Reflex groß, in alte Muster zu verfallen mit: „Typisch Augsburg“, ein sicher geglaubter Sieg in der ersten Hälfte bereits aus der Hand gegeben. Doch wer genau hinhört, bemerkt eine Chance. Trainer Manuel Baum betonte sowohl vor den Kameras als auch später in der Pressekonferenz einen entscheidenden Punkt: Investition.
Während der Gegner Tore oft mit einer frustrierenden Leichtigkeit erzielt, muss der FCA für jeden Treffer, für jeden Meter und für jeden Punkt extrem viel investieren. Das ist nicht immer „sexy“ Fußball, aber es ist der ehrliche Weg eines Eichhörnchens, das sich mühsam ernährt. Der Fortschritt ist da, „Step by Step“, auch wenn er sich manchmal hinter einem ärgerlichen Remis versteckt.
Die Sehnsucht nach Kontinuität
Hier kommt die Fußballromantik ins Spiel, die im modernen Profigeschäft oft zu kurz kommt bzw. kaum mehr vorhanden ist. Es ist das ewige Dilemma: Kaum zeigt ein Spieler wie Alexis Claude-Maurice sein enormes Potenzial – Elfmeter-Pech hin oder her, er war in der Partie ein belebendes Element –, schießen die Transfergerüchte ins Kraut. 20 Millionen Euro Ablöse? In der Welt der Buchhalter ein Segen, für die Seele der Mannschaft und die sportliche Entwicklung oft ein Rückschlag. Wenn man aus den Fehlern der Gegentore lernen will, braucht man ein Gefüge, das zusammenwächst.
Doch man muss der Realität ins Auge blicken: Der FCA ist und bleibt ein Sprungbrett. Wenn attraktive Angebote eintreffen, ist der Abgang meist nur eine Frage der Zeit. Eine personelle Kontinuität im Kader ist in der heutigen Zeit kaum noch zu realisieren.
Der Ankerpunkt: Die Trainerposition statt „Wagnershow“
Umso wichtiger ist es, dass die Kontinuität dort geschaffen wird, wo sie überlebenswichtig ist: auf der Trainerposition. In der Mixed Zone wies Kapitän Jeffrey Gouweleeuw die kritischen Fragen der Journalisten fast schon genervt zurück. Die Diskussion, dass die Mannschaft am Saisonende „austrudeln“ lasse, sei ein rein mediales Phänomen. Doch die Vergangenheit – man denke an den für so manchen schmerzhaften Abgang von Jess Thorup – zeigt, dass der Verein intern mit dem Saisonabschluss haderte und dann die Reißleine zog.
Hier liegt die Chance für eine neue Ära. Während Reporter wie Frank Buschmann (Sky) darüber spekulieren, dass man in Augsburg vielleicht immer noch einen Trainer-Typen im Stile eines Sandro Wagner sucht – lautstark, charismatisch, plakativ –, wäre genau das der falsche Weg. Was der FCA braucht, ist kein Showmaster, sondern die fachliche Ruhe eines Manuel Baum.
Fazit: Wer die Treppe baut, muss bleiben
Denn, wenn man schon gezwungen ist, die Treppe zu nehmen, weil der Aufzug mal wieder klemmt, dann braucht man jemanden, der den Weg kennt und die Stufen stabil hält. Da die Spieler kommen und gehen, muss die Handschrift des Trainers die Identität des Vereins prägen. Kontinuität auf der Bank ist beim FCA kein Luxus, sondern die notwendige Antwort auf die Unbeständigkeit des Transfermarktes. Nur so wird aus dem mühsamen Treppensteigen irgendwann ein verlässlicher Weg nach oben.
