Augsburgs römisches Erbe

Wer in Augsburg geboren ist, hier zur Schule ging, der wird in seinem Leben zwangsläufig mit dem römischen Erbe konfrontiert. 15 v. Chr. von den Römern als Augusta Vindelicum gegründet, gehört unsere Heimatstadt zu den ältesten Städten Deutschlands. Die Stadt war ein wichtiger Verwaltungs- und Militärstandort der römischen Provinz Raetien. Durch ihre Lage an bedeutenden Handelsstraßen entwickelte sie sich rasch zu einem wirtschaftlichen Zentrum. Römische Überreste wie Thermen, Straßen und Münzfunde zeugen noch heute von dieser frühen Blütezeit.

Wo heute das Augsburger Fußballstadion steht, befand sich in antiker Zeit zudem eine römische Siedlung. Ungefähr fünf Kilometer vom antiken Augusta Vindelicum entfernt wurden beim Bau der Arena zahlreiche Funde ans Licht gebracht, die von Wohlstand und einer vernetzten Welt vor ziemlich genau 2000 Jahren zeugen. 

Die Funde aus der Zeit der Römer sind derzeit – ein eigenes Museum soll es irgendwann geben – im Römerlager im Zeughaus gelagert und zu sehen. Und in einer kleinen Extra-Ausstellung mit dem Titel „Römer am Elfmeterpunkt – Was hat der FCA mit Augusta Vindelicum zu tun?“ kann man ab sofort (bis Ende 2026) auch die Funde, darunter Schmuck, bunte Glasgefäße oder Wein- und Fischsaucen-Amphoren aus Rhodos und Spanien, aus den Grabungen um das Stadion begutachten.

Präsentiert werden sie im Kontext zum Augsburger Bundesligisten FC Augsburg, der sich in seiner Marketingstrategie der römischen Geschichte genähert hat und mit Römertrikots und Römertunnel die Vergangenheit der Stadt aufgreift. Die römische DNA Augsburgs spiegelt sich außerdem im Profil des FCA. Er ist der einzige Bundesligaverein, der mit einem römischen Steindenkmal im Wappen (Pinienzapfen) bewusst Bezug auf die römische Vergangenheit nimmt. 

„Künftiges Römisches Museum wird immer neue Funde bieten“

„Das römische Erbe ist in Augsburg bis in die heutige Zeit zu greifen. Immerhin prägten die Römer knapp 500 Jahre lang unsere Stadtgeschichte. Ich bin der Stadtarchäologie dankbar, dass sie ihre Funde aus dem Stadion-Umfeld im Römerlager präsentiert und damit erneut zeigt, dass ein künftiges Römisches Museum immer wieder Neues zu bieten haben wird: Nur etwa fünf Prozent von Augusta Vindelicum sind bislang ausgegraben…“, Jürgen K. Enninger, Referent für Kultur, Welterbe und Sport.

Brauchwasser-Kanal 2024 ausgegraben


Ausgrabungen im Jahr 2024 brachten zu Tage, dass direkt an der Arena ein 40 Kilometer langer Brauchwasserkanal vorbeiführte. Dieser wurde im frühen 1. Jahrhundert als offener ca. 10 Meter breiter und drei Meter tiefer Kanal erbaut und bis ins 5. Jahrhundert genutzt. Mit 3 Promille Gefälle führte der noch 3,20 Meter tief erhaltene Wasserkanal 1.000 Liter pro Sekunde aus der Singold über die Hochterrasse bis ins Domviertel. Dieses Brauchwasser wurde benötigt als Antriebsenergie für Getreidemühlen und viele andere Zwecke. Trinkwasser bezog man damals aus den Brunnen im Stadtgebiet. Nicht zuletzt diente die Anlage dem Fischfang. Aufgrund der offenen Bauweise war das Wasser nicht vor Verunreinigung geschützt, so dass einige Funde wie Schmuck, Münzen oder Keramik aus dem Schlamm des Kanals geborgen werden konnten. Heute befinden sich die Reste des Kanals unter dem Parkplatz.