Florian Stadler – Dahoam is dahoam

Interview mit Florian Stadler

Der Schauspieler, der kürzlich zum zweiten Mal Papa wurde, spricht über Dialekte, seine Rolle als Thomas Winkler in „Dahoam is Dahoam“, wo er seit Mai zum zweiten Mal mitspielt wie bereits vor vier Jahren – und warum Augsburg für ihn immer Heimat bleibt.

Frage: Florian, du bist ja gebürtiger Augsburger, hast viele Jahre in München verbracht und lebst jetzt mit Deiner Familie (seiner Frau und den beiden Kindern Annelie und Vinzenz) in Rosenheim. Wie sehr steckt das Augsburgerische, auch sprachlich noch in dir? In der Serienrolle sprichst du ja oberbayrisch, der Dialekt deiner neuer Heimat. 

Florian Stadler: Ich glaube, das bleibt einfach drin. Ich hab mir zwar durch die Schauspielschule vieles abgewöhnt. Das Augsburgerische und das Bayerische haben gar nix miteinander zu tun, in Augsburg  sagt man eher ein „o“ und im Bayerischen eher ein „a“ . Und manchmal, wenn man so richtig in einer Szene drinnen ist, dann kann’s schon passieren, dass kurz bei mir das  „Augsburgerische“ durchkommt.

Frage: Hast du auch ansonsten noch eine enge Verbindung zur Geburtsstadt?

Florian Stadler: Ja, auf jeden Fall. Ich war ja lange auch mit München verbunden, aber Augsburg bleibt etwas Besonderes. Meine Mutter lebt jetzt bei uns, die ich früher immer besucht habe – seither bin ich seltener dort, auch nachdem noch eine letzte Tante aus Augsburg verstorben ist. Aber mein Papa hat mir das Kinderbuch Der König von Augsburg geschenkt, und das hab ich meiner Tochter vorgelesen. Jetzt kennt sie das Rathaus, die Fuggerei, den Perlachturm – alles aus dem Buch. Da freu ich mich drauf, ihr Augsburg bald einmal richtig zeigen zu können.

Frage: Aktuell bist du wieder bei „Dahoam is dahoam“ dabei. 

Florian Stadler: Ja, es ist schön hier, eine sehr angenehmen Atmosphäre mit den Kollegen, dem ganzen Team 

Frage: Aber du spielst eine sehr komplexe Rolle. Was reizt dich an solchen Figuren?

Florian Stadler: Das Spannende ist, dass man jemanden spielt, der nicht einfach nur „gut“ oder „böse“ ist. Die Figur, die ich jetzt spiele, hat schon dunkle Seiten, obwohl er auch mit jedem kann. Meine Kollegin Silke Popp meinte mal, wenn sie mich da so sieht, hätte sie echt Angst, wäre sie meine Frau, wie gut ich lügen kann (lacht). Die Rollenfigur ist schon manipulativ. 

Frage: Schaust du dir deine Folgen an?

Florian Stadler: Ja schon, aber ich habe einmal ein tolles Interview mit Judi Dench gelesen Sie sagte, sie schaut ihre Filme nicht, weil sie sich da nie so sehe, wie sie sich selbst empfinde. Das kenn ich auch – man sieht sich selbst auf dem Bildschirm und denkt: Oh mein Gott, das hätt ich anders spielen müssen. 

Frage: Du hast auch Theater gespielt.  Wie sieht es damit aus?

Florian Stadler: In der Komödie im Bayerischen Hof stand ich vor ein paar Jahren mit Peter Weck und Friedrich von Thun bei den „Sunny Boys“ auf der Bühne. Und ich habe beim „Jungen Theater Rosenheim“ mitgespielt. Tourneetheater ist aufgrund der familiären Situation derzeit aber weniger meine Priorität.

Frage: Und wie geht’s beruflich weiter? Würde dich eine Filmrolle wieder reizen?

Florian Stadler: Klar, so ein Filmprojekt wär schon wieder schön. Ich hab mal in Tschechien gedreht – da war ich der Freund der Kommissarin, also sozusagen das Love Interest. Das war eine schöne Rolle, und wenn so was wiederkommt, sag ich sicher nicht nein. (Anmerkung: Außerdem betreibt Florian Stadler eine Praxis für Hypnosetherapie, gibt Kurse in Auftrittscoaching und studiert an der Fern-Uni Hagen Psychologie).

Frage: Du wirkst sehr bodenständig. Wie bekommst du Familie und Beruf unter einen Hut?

Florian Stadler: Gut, glaube ich. Meine Tochter ist bei uns beiden – also bei mir und ihrer Mama – gleichwertig gut aufgehoben. Das funktioniert wunderbar. Ich bring sie oft ins Bett, wir essen zusammen Abend, das ist schön. Und das Beste ist, sie erzählt mir dann so Sachen wie: „Papa, war die Silke (gemeint ist Silke Popp) heute bei der Arbeit?“ – weil sie gerade jemanden im Fernsehen gesehen hat. Kinder sind da einfach ehrlich und direkt. Die Arbeit am Set von „Dahoam is dahoam“ ist von der Entfernung her da optimal.

Frage: Du hast gesagt, du bist kein Mensch, der ständig in den Medien sein muss. Genießt du das ruhigere Arbeiten?

Florian Stadler: Absolut. Ich brauch das gar nicht, dauernd in der Presse zu sein. Mir ist wichtig, dass das Spielen Spaß macht – das ist der Kern. Ich hatte Phasen, wo man viel in den Gazetten war, aber irgendwann nimmt das ab. Und trotzdem gibt’s viele Leute, die mich noch ansprechen – von früheren Serien oder Theaterstücken. Das freut mich dann schon.